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Ralph Schüller - Die Welt auf und ab

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Ralph Schüller

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Wie es ist

Was bedeutet ein Jahr, wenn ich zehn oder zwanzig Jahre zurückblicken kann? Was bedeutet ein ganzes Leben, wenn ich viele Leben, in Büchern oder Filmen zusammengefasst, erfahren kann? Wir weinen in den Theatern und Kinosälen, wir lachen beim Lesen eines Buches auf, wir bekommen eine Gänsehaut, wenn die Musik beginnt. Was bedeutet die Welt? Was bedeutet es?

Maria schreibt nur noch Emails, die an zweihundertfünf weitere verborgende Empfänger adressiert sind. Sie organisiert Konzerte und die dazugehörige Werbung für Bands, die landesweit oder zumindest in der Hauptstadt unterwegs sind. Ich bin in ihrem Verteiler gelandet, ohne mich eingetragen zu haben. Als Kinder haben wir aneinander herumgespielt oder ich habe sie gejagt, bis sie ohnmächtig wurde.

Stefan dagegen hat sich ordnungsgemäß bei mir abgemeldet, wartet jetzt unansprechbar auf seine Straßenbahn zum Flughafen und Frau und Kind ergänzen sich während dessen perfekt allein zu Hause. Es scheint, als haben sie alles im Griff, außer, dass es heute Abend viel ruhiger in ihrer Wohnung sein wird.
Ein paar Straßen weiter gräbt sich B. ein Loch für einen Wäscheständer in den Garten. Ein monströses Loch. Seit er mit einer Therapie zur Kontrolle seiner Aggressionen begonnen hat, ist der Familienfrieden auf dem Weg der Besserung und die Schwarzmalerei der letzten Monate, wenn nicht sogar Jahre, hat eine Wende eingeleitet. Es geht wieder vorwärts, obwohl niemand wirklich weiß, wohin.
Michael wartet an einer Tankstelle, um Benzin, Zigaretten und Bier zu bezahlen. Dankbar hat er als Spätaufsteher den Einzug des Supermarktgedankens in die Tankstellen aufgenommen. Dankbar wem gegenüber, fragt er mich.
Konstantin öffnet eine Büchse Bier vor fünfzehn Uhr und kratzt mit dem Fingernagel die Tasten der Fernbedienung sauber. Seine gealterte Mutter föhnt sich die Haare kopfüber und sieht anschließend wie jener Busch aus, der in amerikanischen Roadmovies regulär über die Straße rollt. Wir alle verbringen Zeit. Wir verbringen etwas. Wir bringen etwas hinter uns und es bleibt nicht ohne Folgen.

Louis kocht drei riesige Fleischknochen aus und erläutert, dass das die Basis für ein wunderbares Essen sein wird. Nachdem ich abgeschmeckt habe, nicke ich und erinnere mich an eine Soljanka, die ich mit der gleichen Methode viele Jahre zuvor irgendwo nach einem Rezeptbuch zubereitet habe. Wie es schmeckt, wenn man lange etwas Bestimmtes nicht gegessen hat oder auch nichts gegessen hat! Wie schön ein Feuer ist, in einer Stadt, in der man den ganzen Tag in zu dünner Kleidung bei zu niedrigen Temperaturen im Mai zugebracht hat! Wie es riecht, wenn man den Rost eines vor Monaten gebrauchten Grills über das Feuer legt und jeder Tropfen Fett wie Applaus ins Feuer fascht! Wie es ist, den Brotteig eine ganze Stunde lang zu zerreißen und wieder zusammenzufügen und wieder zu zerreißen, damit genug Luft eingeschlossen und das gebackene Brot locker und luftig wird. Wie es ist, eine ganze Stunde seines Lebens damit zu verbringen, im Garten barfuss mit einem kleinen Stein zu spielen, während der Teig unter einem Leinentuch in der Nähe des Feuers wächst. Wie es ist, am Leben zu sein und gleichzeitig geboren und gestorben wird - seit tausenden von Jahren, überall. In Orten, deren Namen man nicht aussprechen kann, in Sprachen, die nicht mehr gesprochen werden, in Gerüchen, die durch das beste "E", die raffinierteste Chemie nicht erschaffen werden können.

Wie es ist, das alles zu denken und keine Angst zu haben, die einen aufhält, unterbricht, zurückwirft.

Wie es ist?
Was es bedeutet?
Es ist ein glücklicher Zufall
Ein Unglück, ein Schmerz
und wir gehen damit auf und ab.

[30. Mai 2008]




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